Christi Himmelfahrt und 1. Mai

Hilfe, der 1. Mai kommt.PoP fragt sich, wer heuer am 1. Mai feiern soll und vor allem was soll befeiert werden.

In normalen Jahren feiert der brave Deutsche, Österreicher und auch die meisten Schweizer den uns allen bekannten klassischen 1. Mai im Sinne der Arbeiterbewegung. Manchen nennen es auch Tag der Arbeit, Maifeiertag oder Kampftag der Arbeiterbewegung.
Das verstehen wir ja alles noch. Wir freuen uns ja, wenn die Gewerkschaften um die Häuser ziehen und lautstark uns daran erinnern, dass wir uns eben erinnern sollen. Klar, machen wir doch gerne, zumal wir ja dafür einen ganzen Tag frei bekommen. Das ist glücklicherweise heute noch so üblich, dass es auch nicht-christliche Feiertage gibt.

Aber Moment! Feiern wir denn nicht auch heuer Christi-Himmelfahrt am 1. Mai? Also jene Erinnerung, die wir Lukas zu verdanken haben. Ja, genau der Lukas. Einer der engsten Freunde von Jesus. Jesus soll sich genau 40 Tage nach Ostern bei seinen jüngern höflich verabschiedet haben und in den Himmel zurückgekehrt sein. Natürlich nur symbolisch, denn hier ist der menschliche Jesus wieder göttlich geworden.

Was machen wir jetzt aber am 1. Mai wirklich? Sollen wir uns den Gewerkschaftern anschließen und die Fahnen hissen, mit Trommeln Lärm machen und unsere Rechte gegen Arbeitgeber und der globalisierten Welt einfordern? Oder sollen wir uns lieber in unseren Sonntagsanzug werfen, noch schnell eine Kerze kaufen und uns brav und ordentlich in unserer örtlichen Pfarre einfinden?

Vielleicht kombinieren wir ja auch die beiden Termine und lassen dieses Mal die weißen und gelben Kerzen im Keller des Mesners und zeigen mit den roten Kerzen und mit Trommeln ausgestattete Kirchenchöre dass wir wirklich flexibel und offen für neues sind. Ich sehe schon die beiden Konterfeis von Jesus und Marx, wie sie gemeinsam unter dem Applaus tausender Arbeiter gemeinsam in den Himmel aufsteigen.
Interessant erscheint ein lokaler Brauch in Kärnten, wo theatergerecht in der Pfarre Steinbichl während des Gottesdienst heuer am 1. Mai vier Engel vom Kirchendach hinuntergelassen werden, um den am Tisch liegenden Christus hochzuziehen. Es wird auch Engerle Aufziehen genannt. Auch das könnten wir leicht ummodellieren und es Engels hochziehen nennen. Dann hätten wir neben Christus, Marx auch noch seinen wohlhabenden Friedrich an seiner Seite.

Zur absoluten Verwirrung könnte auch noch der Umstand werden, dass in Deutschland am gleichen Tag der Vatertag gefeiert wird. Aber hallo! Was machen der brave Sohn und die brave Tochter jetzt? Werden wir heuer junge Menschen sehen, die bei den Maiaufläufen für den Papa die Fahne tragen werden oder gar als Dank für ein hartes Vaterjahr die wohl erworbene Hostie vorkauen? Wir wissen es nicht und das wird wohl euch allen so gehen. Ich denke nur besorgt an die jungen Menschen in der näheren Umgebung des Harzes, die ihrem Brauch treu bleibend bereits am Vorabend stockbetrunken die Hexen jagen und am nächsten Tag alle drei Termine schlichtweg verschlafen werden.

Unser Vorschlag an das verwirrte Volk. Lasst uns nach Finnland fahren und den Vappu feiern. Das Fest des Frühlings für Studenten und Arbeiter. Aus der Tradition der Walpurgisnacht entspricht deren Fest zwar irgendwie unserem Maifeiertag, aber die Menschen dort haben die Organisation ihren Studenten überlassen. Was sich unserer Meinung nach sehr positiv auf Inhalt, Länge und Intensität ausgewirkt hat.

Für unsere internationalen Freunde hätten wir noch den EuroMayDay, der Arbeit und Leben abseits der gewerkschaftlichen Möglichkeiten einfordert.

Auf alle Fälle gibt es auch im Mai wieder tolle Extratermine für unsere engagierten Politiker und Politikerinnen. Und schickt uns weiterhin eure persönlichen Wunschtermine und wir pflegen sie selbstverständlich gerne in euren Terminkalender.

Das PoP Team