Liebe Politiker und Politikerinnen,
Ostern hat uns heuer als einzigartiges Jahrhundertereignis erfasst, indem es als das früheste Ostern des 21. Jahrhundert gelten wird. Während in früheren und in den nächsten Jahren teilweise bis spät hinein in den April gefeiert wurde und wird, muss man heuer zittern, ob die versteckten Ostereier, aufgrund der eisigen Bedingungen, überhaupt ausgegraben, geschweige denn eingegraben werden können.
Da bekommt das Osterfeuer gleich eine ganz andere Bedeutung und wird mit Sicherheit heuer umso besser besucht sein, um sich am wohligen Feuer die abgefrorenen Hände wieder beleben zu können.
Auch das Osterwasser, welches vor allem in Christlichen Kirchen beim Ostergottesdienst in der Nacht zum Ostersonntag von einem Pfarrer geweiht wird, um danach eben als Weihwasser von den Gläubigen mit nach Hause genommen wird, stellt einige vor größere Probleme. Heuer werden es wohl heilige Eiswürfel sein, die man sich in Tiefkühlbeutel für ein gutes Jahr ins Haus holt. Kann man wenigstens nichts verschütten.
Bei näherem Hinsehen erkennt der Brauchtumskundige einen Kampf der osterwürdigen Fauna. Während hinlänglich bekannt ist, dass einzig und allein der Osterhase als ehrwürdiger Eierlieferant gilt, versuchen einige Gebiete im deutschsprachigen Raum dem Fuchs diese Rolle zuzuschreiben. Großraum Münster und Hannover fallen uns da spontan ein. Dass man Reineke Fuchs aber auch gleich zu Pfingsten wieder anruft, grenzt schon ein bisschen an Tierquälerei.
Sollte jemand von euch zu Ostern nichts Besseres vorhaben, so empfehlen wir das in Bayern so beliebte Eierschibbeln. Sozusagen das Skispringen für sportliche Eier. Und Norken ist das Mekka für alle, die gerne Eierflüge beobachten. Liegt aber nicht in Bayern. Macht aber nichts.
Hinzuweisen wäre auch auf das traditionelle Eierschieben; in etwa die Arme-Leute-Version von Eierschibbeln. Zu beobachten unter anderem in der Oststeiermark, aber auch in Teilen vom Land Brandenburg. Dort nennen sie es aber Ostereier trudeln. Jetzt wisst ihr woher der Ausspruch - ins Trudeln kommen - ursprünglich stammt.
Aber aufgepasst! Eierschieben und Eierrad nicht verwechseln. Während ersteres harmlos den Hügel hinunter gerollt wird und kaum Aufsehen erweckt, ist das zweite ein Feuerrad aus Holz und Reisig, welches donnernd zu Tal rast. Manchmal trifft es auch ein im Weg stehendes Haus und die Verantwortlichen sprechen dann meist auch vom Osterfeuer.
Wem zu dieser festlichen Zeit Heerscharen von Reitern in Frack und Zylinder entgegenkommen, sollte sich nicht weiter wundern. Diese Reiter sind Teile einer Osterprozession, die irgendwie aus dem sorbischen kommt. Wer sorbisch nicht kennt, sollte das raschest googeln. Übrigens; unbedingt Ausschau halten nach allfälligen kleinen Kränzen an der Brust einiger Reiter. Ein grüner Kranz wird immer vom Debütanten getragen, also von jenem, der zum ersten Mal dabei ist und eher hinten reiten sollte, weil er den Weg nicht kennt.
Zu guter letzt das berühmte Eiertitschen, welches in Bayern, Österreich und interessanterweise auch in Russland praktiziert wird. Ein Wettbewerb, wo jener Eierbesitzer gewinnt, dessen Ei am längsten von anderen Eiern ausgeführten Headbangern, unbeschadet überlebt. Dass man in Württemberg dazu Spitzarschen sagt, bleibt uns wahrlich für immer ein Geheimnis.
Jetzt aber genug von den verschiedenen Osterbräuchen. Wir müssen noch Eier, Holzräder, Brandverstärker und vorsorglich einen Rechtsbeistand besorgen.
Frohe Ostern, das PoP-Team