Das Kanzlerduell in der Nachbetrachtung

Die TV-Diskussion hatte einen klaren Sieger, und eine Konsequenz. Der deutsche Kanzler wird bei den nächsten Wahlen nicht mehr als Spitzenkandidat zur Verfügung stehen.

Montagabend ist eines der spannendsten TV-Duelle der letzten Zeit mit einer an Dramatik und Spannung kaum zu überbietenden Atmosphäre über die Bühne gegangen.

Nach einem inoffiziellen verbalen Schlagabtausch, der angeblich vor etwas mehr als fünf Wochen in München bei einer geselligen Runde passiert sein soll, wurde diese Auseinandersetzung Montagabend weitergeführt. Obwohl beide Parteien vor allem auf den freundschaftlichen Charakter des TV-Treffens hingewiesen hatten, wussten die politischen Beobachter von einem entscheidenden Duell zu berichten.

Der österreichische Bundeskanzler, der auch parteiintern nicht mit einer vollen Unterstützung rechnen kann, musste an diesem Abend sein ganzes Können aufbieten und wollte partout immer nur von seiner Bildungspolitik sprechen. Ihm dürfte aber entgangen sein, dass die österreichische Bildungsoffensive ??? wie er sie nennt ??? ähnlich negativ verlaufen ist, wie die deutsche. Also hier konnte er bei den Zusehern nicht wirklich punkten.

Im Gegensatz dazu wollte der deutsche Bundeskanzler immer wieder auf seine Erfolge im Energie- und Transportwesen hinweisen, wo Deutschland hervorragende Zahlen aufweisen kann.

Man merkte aber bei Bundeskanzler Guevara, dass seine Kräfte aufgrund der soeben zu Ende gegangenen Deutschlandtour nur noch marginal vorhanden waren. Konnte er in den ersten zehn Minuten den Gedanken des Kontrahenten und den Fragen des Moderators noch folgen, so schien es bald, dass Guevara weite Teile der Sendung schlafend verbrachte. Aus Rücksicht auf die doch etwas peinliche Situation versuchten die Kameraleute den Kanzler nur noch von hinten aufzunehmen, um die Schläfrigkeit nicht offensichtlich werden zu lassen.

Der österreichische Bundeskanzler, der letzte Woche noch seine Verwandten am Land besucht hatte und Samstag seinen allwöchentlichen Stammtisch ausrief, erschien weit aus spritziger und redseliger. Man erkannte auch größere Erfahrung im Umgang mit heiklen Diskussionen und einen Mann, der es verstand, sein Expertenwissen amüsant und speckig aufzuzeigen.

Auch rhetorisch war der österreichische Bundeskanzler dem deutschen in weiten Strecken überlegen, obwohl Bundeskanzler Guevara fast am Ende des Diskussionsabend mit einem kleinen Wortspiel die Zuschauer auf seine Seite zog. Wörtlich sagte er: ???Umsonst ist nur der Tod, und der kostet uns das Leben???. Nur genaue Beobachter wussten sofort, dass Dr. Death gemeint war und seine hohe Steuerpolitik.

Am Ende gab es eine herzliche Umarmung, wobei der deutsche Kanzler große Mühe hatte, aus seinem lieb gewonnen Sessel hoch zu kommen. Dass er dann auch den Kameramann umarmte, hatte einen doch recht eigenartigen Eindruck auf die Zuseher machen müssen.

Eine unmittelbar danach durchgeführte Umfrage sah den österreichischen Kanzler als Sieger der Diskussion, und namhafte Zeitungen sprachen sogar von einer Kreuzigung.